Friedrichstatt – Holländische Ansichten
von Claudia Ermel
Marktplatz in Friedrichstadt
Wo leben bereits seit mehreren Jahrhunderten viele verschiedene Glaubensgemeinschaften friedlich zusammen? – Wohlgemerkt: mit ausdrücklicher Genehmigung der weltlichen Herrscher?

Falsch geraten! Der Ort heißt nicht Utopia sondern Friedrichstadt. Hier hatte Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf im frühen 17. Jahrhundert aus eher profanen Gründen den Plan gefasst, zwischen Treene und Eider, nahe der Nordsee, eine Stadt der religiösen Toleranz zu gründen. So konnte er die, in Holland verfolgten, Remonstranten anwerben und dazu bewegen, ihm eine typisch holländische Stadt mit Grachten, Brücken und spitzgiebeligen Häusern zu erbauen.
Hintergrund war für den König der wirtschaftliche Ehrgeiz, eine Handelsmetropole wie Hamburg zu erschaffen. Galten doch die Holländer über Jahrhunderte als die erfolgreichsten Kaufleute und erfahrene Seefahrer. Das Resultat war eine religiöse Freistatt für zahlreiche Glaubensgemeinschaften in einem schmucken Städtchen, das dann den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gegen seine große Schwester Hamburg doch nicht bestehen konnte. Den Remonstranten aber folgten in späteren Jahren Lutheraner, Katholiken, Mennoniten und Juden. Und alle haben sie ihre Spuren nicht nur in Form ihrer Gotteshäuser hinterlassen.
Die Holländischen Einwanderer bauten jedenfalls in dieser wässrigen Gegend sogleich ein Netz aus Grachten, an denen sie ihre kleinen Häuschen mit Zackengiebeln aufreihten. Und dies nimmt ihnen bis heute wohl niemand übel, macht es doch den besonderen Reiz des Städtchens aus. Dass einmal im Monat eine Pastorin extra aus Holland angereist kommt, um einen Gottesdienst für die Remonstranten-Gemeinde abzuhalten, versteht sich da von selbst.

Ein neugieriger Besucher, ganz gleich welcher Religionsgemeinschaft er angehört, wird hier an einem schönen Frühlingstag an „De Blau Brüch“ in die Altstadt eintauchen. Denn direkt vor der Brücke befindet sich ein großer Parkplatz für jene, die per Auto anreisen. Der Bahnhof liegt auf derselben Seite nur einen kurzen Fußweg entfernt. Als Spaziergänger läßt sich das Städtchen am Besten erkunden. Wer lieber per Ausflugsboot durch die Grachten schippern will, muss sich zur Treene durchschlagen. Der Anleger für die Grachtenfahrten liegt dort direkt an der Einmündung des Oster-Sielzuges, während die Blaue Brücke den Wester-Sielzug überquert.
Den Mittelpunkt der Altstadt bildet –wie es sich gehört – der Marktplatz, auf dem es ich im März schon herrlich in der Sonne faulenzen lässt. Rund um den Marktplatz mit seinem Brunnen stehen die prächtigen Neun-Giebelhäuser. Und wer in den angrenzenden Gassen nicht nur die Auslagen der Tee- und Andenkenläden betrachtet, sondern sich auch die spitzgiebeligen Häuser genauer ansieht, der wird manch urige Hausmarke entdecken, die „typisch holländisch“ statt Hausnummer angebracht wurde.
Mehr darüber, und über die Geschichte der Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten erfährt man im Museum Alte Münze am Wester-Sielzug oder in der Tourist-Information südlich des Marktbrunnens.
Die Alte Münze gehört zu den schönsten Häusern der Stadt, und zeugt noch heute von den großen Plänen, die Friedrich III für „seine Stadt“ hegte. Denn das Münzrecht bekam die Stadt am Ende ebenso wenig verliehen, wie der Hafen je mit Hamburg konkurrieren konnte. Heute gibt es hier an der Eider nur noch einen Anleger für Yachten. Die Treene ist längst Naturschutzgebiet und darf nur noch per Ruder- oder Paddelboot befahren werden. Ein Schicksal, das man sich für Hamburg und die Elbmündung wohl schwerlich ausmalen kann.

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Entfernungen:
von Husum 15 km, von Hamburg 134 km, von Neumünster 88 km

Kontakt und info: www.friedrichstadt.de
Telefon 04881 93930 Fremdenverkehrsgemeinschaft W.I.R.