Haithabu - die versunkene Wikingerstadt am Ende der Welt
von Claudia Ermel
Siedlung Haitabu
Alle Wege führen nach Haithabu: der Wasserweg über die Schlei vom Hafen Schleswigs, die Busfahrt bis zur Haltestelle Haddeby, die Europäischen Fernwanderwege E1 und E 6, oder die Autostraße
B 76. Auch heute noch ist die einst dicht besiedelte Stadt für jeden leicht zu erreichen - oder besser gesagt: wieder erreichbar. Lag sie doch über Hunderte von Jahren in Schlick und Schlamm verborgen und verschollen.

Der imposante Ringwall am Haddebyer Noor, glaubten unsere Vorfahren, sei lediglich ein Kriegslager am Dannewerk gewesen. – Doch dann fing im Jahr 1900 einfach jemand an zu graben - und hörte nicht wieder auf. Ganz allmählich entstand eine mustergültige, geschichtsträchtige Ausgrabungsstätte. Denn man grub und buddelte nach den ersten Funden immer weiter, Hundert Jahre lang!

Nur langsam fügte sich das Puzzlespiel zusammen. Dass es einen Ort Haithabu gegeben hatte, wusste man seit langem. Dass der Dänenkönig Gottrik von dort aus nicht nur Raubzüge sondern auch Handelsfahrten plante, ebenfalls. Der verheerende Überfall der Wikinger auf Hamburg (945) wurde bekanntermaßen hier vorbereitet.
Anno 965 beschrieb ein arabischer Kaufmann, der die Handelsmetropole besuchte, Haitabu als „sehr große Stadt am Ende der Weltmeere“. Doch obwohl die Wikingersiedlung über alle Jahrhunderte in Schriftquellen erwähnt wurde, hatte man ihren einstigen Standort schließlich vergessen.
Die Häuser aus den einzelnen Zeitabschnitten der Besiedlung wurden anhand der vielen ausgegrabenen Funde durch Computeranimationen rekonstruiert. Bei einem Spaziergang durch die Siedlungsstätte erreicht man sie über Bohlenwege. Sie sind mit Koch- und Schlafstätten ausgestattet und vermitteln mit Liebe zum Detail einen Eindruck vom Leben dieser einfachen Menschen, die doch so versiert in Stadtplanung und Seehandel waren, dass sie als Begründer einer großen Handelsmacht galten. Mit etwas Phantasie kann man sich durchaus vorstellen, wie sie das Gebiet im Schutz des mächtigen Walls dicht an dicht mit ihren Palisaden- und Bohlenbauten besiedelten, in denen sie zusammen mit ihrem Viehzeug hausten.

Das Siedlungsgelände umfasst 24 ha innerhalb des Ringwalls. Im Norden liegt am Fuße der Hochburg das Wikinger Museum, das über einen Fußweg zu erreichen ist. Hier findet man die vielen ausgegrabenen Zeugen des täglichen Lebens, Kriegs- und Arbeitsgerät, Kleidung und Kochgeschirr. In der Schiffshalle wird das königliche Langschiff aus dem Hafen von Haithabu präsentiert. Denn am Ende baggerte man auch noch das Hafenbecken aus und fand die Überreste von zwei Schiffen. Erstaunlich flach konstruierten die Wikinger ihre riesigen Boote, um sie tief in die Mündung der Schlei bis zu deren Ende, dann über die Treene und Eider bis zur Nordsee zu bringen. Zeitlebens transportierten sie ihre Handelswaren über den Wasserweg. Selbst wenn, wie es zwischen den Meeren Ost- und Nordsee der Fall war, Boot und Waren zwischenzeitlich über Land zu tragen waren. Kaum will man heutzutage glauben, dass die Wikinger mit solchen Schiffen als Kaufleute und Kolonisatoren ins Mittelmeer, zum Schwarzen Meer und ins Kaspische Meer gelangten sowie ins, tief im Landesinneren, versteckte Haithabu.
Am Pfingstwochenende (10. - 11. Mai 2008) wird in Haithabu ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm zum Leben der Wikinger geboten. Den Auftakt bildet „Handwerk im Experiment - Angel, Netz und Reuse - Fischfang im Haddebyer Noor“ .
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Öffnungszeiten:
April bis Oktober täglich
9:00 bis 17:00 Uhr
Tourist Info Schleswig
Tel. (04621) 850056
Anfahrt über A 7 Hamburg-
Flensburg – Ausfahrt
Schleswig / Jagel