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Neues Museum Tuch + Technik in Neumünster |
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von Claudia Ermel |
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Tuchmacherkunst zum Anfassen und Mitmachen |
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Die Zusammenkunft der Vorsteher der Tuchmacher, kurz „de Staalmeester“ nannte der alte Meister sein Werk, das er 1662 fertig stellte. Da stecken ehrwürdige Herren über wichtigen Dokumenten die hohen Zylinder zusammen. Nun, dieses und ähnliche Gemälde wird der Besucher im Textilmuseum Tuch und Technik in Neumünster vergeblich suchen.
Handelt es sich doch um ein ganz anders geartetes Museum. In der hochmodernen, gewollt sachlich gehaltenen, verglasten Halle geht es nämlich um Wollverarbeitung, Tuchmacherkunst und 2000 Jahre regionale Geschichte aus „erster Hand“.
Das neue Museum Tuch und Technik steht am Kleinflecken, direkt im Zentrum von Neumünster. Hier ist das textile Erbe der Region wiederbelebt worden. Sorgfältig wurden die Zeugnisse der Tuchmachervergangenheit unserer Stadt zusammengetragen. Direkt neben der Stadthalle, mit Zugang über eine verglaste Brücke, erreicht man die Einraumhalle von oben, kann von einer Balustrade aus die riesigen, Web-, Krempel- und Filzmaschinen bewundern.
Über eine Treppe taucht der Besucher dann in die Geschichte der Wollverarbeitung ein. Ein kleiner Pfeil auf dem Boden leitet chronologisch durch die Ausstellung. Die Tafeln neben den Exponaten erläutern den Werdegang der Tuchherstellung. Erzählen von der Bronzezeit, als die Menschen den Schafen die Wolle aus dem Fell zupften, von Wollschlägern und spinnenden Bäuerinnen. Leiten weiter zur ersten „Wollzeugfabrique“, zu Dampfmaschine und Industrieller Revolution, führen den Besucher bis in die Gegenwart. Denn viele Maschinen hier haben längst nicht ausgedient.
Große Körbe mit ungewaschener, grob gesäuberter und gereinigter Wolle stehen zur Anschauung am Rand. Wie die riesigen Maschinen aus diesem Rohprodukt Garne, Decken oder auch feines Tuch fertigten, ist in kurzen Videofilmen dargestellt. In den Säulen, die als optische Trenner im Raum stehen, können eigenständig per Kopfdruck die Filme aktiviert werden. Hier erwachen die großen stummen Zeugen der Vergangenheit zu neuem Leben, kommen Menschen und ihre Erinnerungen zu Wort.
Beim Rundgang darf auch ausprobiert und befühlt werden. Allerdings wirbt das Museum in seinem kleinen Prospekt mit „Anfassen erwünscht“, während man innerhalb der Ausstellung dann doch hin und wieder auf das Schild: „Bitte nicht anfassen“ trifft. Wer sich zu einer geführten Runde anmeldet, oder besser noch zu einer individuellen Themenführung, kann miterleben, wie funktionstüchtig die altehrwürdigen Maschinen noch sind. Und vielleicht darf man ja auch am Design eines Plaids mitwirken, das später im Museumsladen zum Verkauf ausliegt.
Doch zuerst gilt es, Mischwolf, Dreikrempelsatz, Selfakto, Pelzkrempel, Spinn- und Zwirnmaschine oder Haspel im vollen Betrieb zu sehen. Und zwar von allen Seiten, denn nahezu alle Exponate wurden auf freier Fläche platziert.
Und dieses Konzept wurde auch vom Architekten umgesetzt. Das Gebäude besteht fast ausschließlich aus Glasfronten, wodurch die alten Maschinen nahezu mitten in den öffentlichen Raum gestellt wurden. Die lebende Stadt bildet hier die Kulisse, bietet freien Blick statt hoher Wände, Tageslicht überwiegt die künstliche Beleuchtung.
Auch, wenn so der Eindruck verloren geht, wie es früher wirklich war. Zu Zeiten von Spinning Jenny und riesigen Holzwebstühlen gab es keine Glasfronten, weder Neonlicht noch Halogenstrahler. Die stimmungsvolle Düsternis vergangener Jahrhunderte einzufangen, gehört dann eher wieder in Rembrandts Genre. |
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Tuch + Technik,
Kleinflecken 1,
24534 Neumünster, Tel. 04321 559 58-15, www.tuch-und-technik.de
Lage: Nur 8 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof,
direkt an der Stadthalle.
Öffnungszeiten:
Dienstag Freitag
9:00 -17:00 Uhr
Samstag, Sonntag,
Feiertage
10:00 Uhr 18:00 Uhr
Preise:
Erwachsene: 6,00 Euro
Kinder und Gruppen ab 15 Personen sind ermäßigt
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