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Nordstrand: 50 Quadratkilometer Beschaulichkeit
mitten im Nationalpark Wattenmeer |
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von Claudia Ermel |
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Endlose Weite im Wattenmeer |
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„Wer nicht will deichen, muss weichen!“ So lautete bis1871 der Artikel 8 des Spadelandsrechtes. Danach wurde die Eindeichung endlich zur Staatssache erklärt, niemand wurde mehr enteignet, weil er die hohen Deichkosten nicht aufbringen konnte. Seit jeher bestraft die Nordsee jede Nachlässigkeit, indem sie bei jeder Sturmflut gefräßig an Halligen und Koogen nagt. Doch unterdessen sind die Deiche höher und sicherer gebaut. Längst findet man nicht mehr sämtliche Wohnhäuser und Bauernhöfe auf einer Anhöhe oder gar oben auf dem Deich.
So erspähen wir auch von dem Autodamm, der Nordstrand mit dem Festland verbindet zuerst nur hohe immergrüne Deiche vor blauem Himmel. Beides weiß getupft wie von Malerhand. Beim Näherkommen erkennen wir die friedlich grasende Schafe, die das Gras auf den Deichen schön kurz und dicht halten. Die Wolken am hohen Nordseehimmel hingegen sind weniger sanftmütig, fegen sie hier doch ungebremst von Horizont zu Horizont.
Hinter dem Deich erblicken wir weite Ackerbauflächen mit Raps, Weizen und Gerste. Die Viehweiden sind meist von bunten Kühen besiedelt, den die Schafe haben ja mit den umfangreichen Grasflächen auf den Deichen genügend zu tun.
Am ersten Rasthaus direkt hinterm Damm begegnen uns trotz stürmischen Winterwetters die ersten Sonntagsausflügler zu Rade, die sich wohl beim lokalen Nationalgetränk, dem „Pharisäer“ erst einmal aufwärmen müssen. Getarnt als süßer Kaffee mit Sahnehäubchen hat das Getränk seinen urigen Namen einem Pastor zu verdanken. Der war ein großer Gegner des Alkohols im 19. Jahrhundert. Eines Tages nahm er versehentlich einen Schluck aus der Kaffeetasse seines vermeintlich enthaltsamen Tischnachbarn in der hiesigen Schänke. “Ooh ihr Pharisäer!“ jammerte er, als er den Rum schmeckte und begriff, wie viele dieser „harmlosen“ Kaffeerunden die Gemeinde bereits vor seinen Augen geleert hatte.
Die Radfahrer begegnen uns wieder, als wir aus der Verkaufsscheune der Schäferei Baumbach Lammschinken und Schafffelle tragen. Tief gebeugt kauern sie über den Lenkern ihrer Leihräder und strampeln gegen den aufkommenden Sturm an. Die platte Landschaft bietet nicht viel, was den stetigen Wind bremsen könnte. Nur kleine Wäldchen, hin und wieder ein dichtes Gebüsch, das früher einen Entenfang beherbergte, wenige Bauernhöfe und kleine Ansiedlungen.
Mit mäßig schlechtem Sportlergewissen lassen wir uns wieder in die Autositze fallen und fahren gemütlich nach Norderhafen. Hier ist das Kurzentrum, das nicht nur medizinische Heilbädern und Krankengymnastik anbietet.
Aber auch ohne ärztlich verordnete Kur kann man hier seinen Urlaub in ländlicher Gemütlichkeit verbringen. Überall auf der Insel gibt es Ferienwohnungen- und Zimmer. Neben Radeln und Wandern lockt bei Hochwasser die Badestelle am Außendeich. Bei Ebbe werden ausgedehnte Wattführungen angeboten. Oder man lässt sich mit dem Pferdefuhrwerk von Hallig zu Hallig kutschieren.
Wir entscheiden uns schließlich für ein Picknick direkt auf dem Deich und wundern uns über ein paar versprengte Schäflein, die bei steigender Flut auf einer stetig kleiner werdenden Sandbank grasen. Erst als die Nordsee ihre wolligen Füße umspielt, starren sie ratlos zu uns herüber. Wo ist denn bloß der Leithammel hin? Ohne den würden sie es niemals schaffen, vor dem Hochwasser zurück auf den Deich zu gelangen.
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Kurverwaltung und Zimmervermittlung
Schulweg 4
25845 Nordstrand
Tel: 04842 454 oder 19433
Fax: 04842 9009-90 · www.nordstrand.de · info@nordstrand.de.
Rezept für einen Pharisäer:
Tasse heißen Bohnenkaffee
2 bis 4 cl Rum mit 2 Teelöffel Zucker erhitzen
zusammenschütten und mit 2 Esslöffeln steifer Sahne krönen
Nicht umrühren, sondern durch die Sahnehaube schlürfen.
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