Zu den Wikingertagen nach Schleswig
von Claudia Ermel
Haitabus kleiner Jachthafen
Der stattlichste Dom, der größte Fürstenpalast, das schönste Kloster, und die urigste Fischersiedlung Schleswig-Holsteins. Das alles bietet Schleswig, das doch nur ein Städtchen mit 25.000 Einwohnern ist. Ganz Schleswig liegt an der Schlei, umfängt die Spitze des tiefen Einschnitts der Ostsee, den die Eiszeit hier in das Land zwischen den Meeren gerissen hat. Und genau gegenüber haben einst die Wikinger ihr berühmtes Handelszentrum Haitabu errichtet. Heute zeigt ein nachgebautes Wikingerdorf, wie es hier damals aussah. Im August aber werden die Seefahrer und Händler aus vergangenen Zeiten zu neuem Leben erweckt. Dann laden die Wikingertage „auf der Freiheit“ zu Kurzweil und Kulinarischem ein. In Haitabu – am Ufer gegenüber - parliert derweil die Theatergruppe Midgaard Skalden auf der Freilichtbühne. Die längst untergegangene Handelsmacht erwacht zu neuem Leben.

Doch auch die Stadt Schleswig, die erst nach dem Niedergang der Winkinger entstanden ist, hat einst mehr Macht und Einfluss besessen, war sogar kurzzeitig Landeshauptstadt.
Am ehrwürdigen Dom startet ein beschaulicher Rundgang durch die Altstadt, die sich bis zum Rathausmarkt und zur Fischersiedlung Holm erstreckt. In Holms Mitte staunt der Besucher über den kleinen autarken Friedhof, um den ringsum die schmalen Häuschen der Hiesigen wie ein Perlenkollier aufgefädelt sind. Viele noch mit typischem Gemüsegarten auf der Rückseite, manche mit direktem Zugang und Steg zur Schlei. Nach vorn, zum Friedhof , laden die bunten „Klöndören“ zum nachbarschaftlichen Plaudern ein.
Hier kennt man sich , ist seit Jahrhunderten eine eingeschworene Gemeinde. Die Totengilde der Holmer Beliebung sorgt seit dem dreißigjährigen Krieg für kostenlose Beisetzung ihrer Mitglieder. Tradionsbewusst veranstalten sie ihren jährlichen Umzug.
Wenige Holmer arbeiten noch in der Schleifischerei. Hier wegziehen wollen sie trotzdem nicht. Gleich nebenan ist das ehemalige Kloster St. Johannis, wo derzeit zwei schleswig-holsteinische Adelstöchter ihr kostenloses Wohnrecht nutzen. Auch das ist Tradition.
Am Ausgang aus dem Viertel lohnt sich ein kurzer Besuch im Holmer Heimatmuseum. Hier ist in zwei öffentlich zugänglichen Räumen anhand von Fotos und Texten die Holmer Vergangenheit dokumentiert.
Als Einstimmung für das nächste Ziel mag das bescheidene Museum gerade recht sein. Schloss Gottorf ist genau das Gegenstück. Wie David und Goliath sozusagen. Das Schloss selbst ist eine einstige Fürstenresidenz, beeindruckend und riesig thront es auf einer eigenen Insel. Was die Räume an Kunst- und Kulturschätzen beherbergen, dürfte kaum in einem einzigen Besuch zu bewältigen sein.
In den Gebäuden von Schloß Gottorf sind zwei Museen untergebracht: das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und das Archäologisches Landesmuseum. Letzteres ist bekannt für seine Moorleichen. Andere Ausstellungen zeigen Steinzeitliche Jäger, die Jungsteinzeit, Bronzezeit, Mittelalter, und die Opferplätze der Eisenzeit Nydam und Thorsberg.
In dem zahlreichen Nebengebäude findet man Sonderausstellungen und die Kutschenhalle. Der riesige begehbare Globus steht im Barockgarten. Und in der Reithalle lockt die Kunstausstellung der Stiftung Rolf Horn mit einer Vielzahl von Werken bekannter Künstler des letzten Jahrhunderts den Genießer visueller Köstlichkeiten.

Zurück am Schleswiger Hafen kann man in der Zeit vom 03. bis zu 05. August dann auch noch zusehen, wie (nahezu) echte Wikingerschiffe einlaufen. Das Nydam-Schiff ist aber nicht dabei. Auf der Museumsinsel von Schloss Gottorf liegt es gut konserviert in einer eigenen Halle aufgebahrt.
Das Nydam-Schiff von ca. 320 n. Chr. wurde 1863 im Nydam-Moor (Südjütland) gefunden. Das Schiff diente als Kriegsfahrzeug, als schneller Truppentransporter, war nordseetauglich und konnte bis zu 45 Mann aufnehmen.
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Anfahrt nach Schleswig über die A7 Richtung Flensburg
www.schleswig.de
www.schloss-gottorf.de