Wohl dem, der seine Kirche im Dorf lassen kann...
von Claudia Ermel
Ein kilometerlanger Strand lädt zum Wandern ein
„Das Kirchlein am Meer“ schützt kein Damm noch Deich. Und doch steht es unbehelligt vom „blanken Hans“ seit über 750 Jahren auf seinem Schobüller Berg. Ein Wunder, dass die drei frommen Jungfrauen Selke, Skovby und Kyri bewirkten, als sie der Legende nach diese Missionskirche stifteten? Heute wissen wir, dass sich genau hier, wo der Ort Schobüll entstand, die Küste mit einem eiszeitlichen Gestrücken 31 m über NN aufgeschwungen hat. Das hat auch dazu geführt, dass sich direkt am Meer ein breiter Streifen Schilf ansiedeln konnte, das eigentlich Salzwasser überhaupt nicht mag. Letzteres wissen die meisten Strandspaziergänger natürlich nicht. Sie spazieren auf dem langen Steg, der im Sommer als Badesteg weit ins Meer hinausreicht, von dem man bei Ebbe seine Wattwanderung starten kann, und der eigentlich das Überbleibsel eines kleinen regionalen Hafens ist. Vom Steg aus hat der eifrige Beobachter von Tier- und Pflanzenwelt einen ausgezeichneten Aussichtspunkt auf den Schilfgürtel, wo Rohrammern und Teichrohrsänger brüten. Ein Naturlehrpfad entlang des Badestegs gibt Aufschluss über die besondere Vegetation hier.
Die hat sich seit Beginn des 20 Jahrhunderts erheblich verändert, denn der einst breite Badstrand verschwand nach dem Bau des Damms, der Nordstrand mit dem Festland verbindet. Dafür begann man den einst gedankenlos abgeholzten Wald wieder aufzuforsten, so dass am Schobüller Berg ein ausgewiesener Erholungswald entstand. Unterdessen gilt Schobüll längst als Ferienort und als Künstlerdomizil. Ein Campingplatz direkt am Steg hat Schobüll auch zum Surf-Revier gemacht

Wem es in Schobüll noch nicht einsam genug ist, der zieht noch weiter Richtung Westen nach Simonsberg. Das liegt zwar wieder hinter einem Deich, doch lässt es sich auf diesem kilometerweit entlang flanieren, immer mit Blick auf Nordstrands Süderhafen. Die Fahrrinne der Schiffe nach Husum liegt ebenfalls vis-a-vis, und die vorbeiziehenden Schiffe machen einen weiteren Reiz des Spaziergangs aus. Die schönen Reetdachhäuser haben sich hinter den alten Deich gerettet, auf dem die Deichstraße verläuft. Wie eine Perlenschnur reihen sie sich an der Straße auf. Am Ende liegt die Bushaltestelle und das Hotel Lundenbergsand, sowie der Campingplatz zum Seehund.
Und Simonsberg hat auch sein eignes kleines Naturschutzgebiet. Wester – Spätinge liegt mit seinen Teichen und Wiesen direkt Binnendeichs. Am Rande des Gebietes steht ein kleines Blockhaus - die NABU-Infohütte - und sie ist zugleich das Zuhause der ehrenamtlichen Vogelwärter.
Aber wo ist hier die Kirche? Wird sich der aufmerksame Besucher fragen. Nicht mehr im Dorf, lautet die einfache Antwort. Nachdem die Bewohner mehrmals vor dem Wasser zurückweichen mussten, hatten sie beschlossen, wenigsten ihre Kirche zu schützen. Seit der großen Flut 1717 stand die Simonsberger Kirche auf ihrer Warft - einem aufgeschütteten Erdhügel - mitten im Meer. Die Gottesdienste richteten sich seinerzeit nach Ebbe und Flut, und man holte sich auf dem Weg dahin öfter nasse Füße. 1825 wurde die Kirche von einer weiteren Flut beschädigt. Und so mussten die Simonsberger sie schließlich aufgeben. Heute befindet sich die Salvator-Kirche samt Friedhof etwas abgelegen landeinwärts auf einer großen Warft - hinter dem Dorf.
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Schobüll und Simonsberg
liegen sozusagen links
und rechts der Husumer Fahrrinne in die Nordsee.
5 km nördlich Schobüll,
9 km südwestlich
Simonsberg.
www.simonsberg.de
www.husum-tourismus.de