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Die Schafe liegen oben am Deich oder grasen mit den Hintern im Wind auf seiner sonnigen Seite. Dabei sollten sie doch eigentlich weiter unten in den Salzwiesen stehen, damit ihr Fleisch das einzigartige Aroma bekommt. Die vielen Touristen. die brav auf dem asphaltierten Weg zum Leuchtturm flanieren, scheinen sie aber von hier oben besser beobachten zu können. Sie wollen eben auch sehen, wer so alles vom Schäfereiladen kommt, und dort vielleicht nachher noch einen kuscheligen Pullover aus ihrer Wolle oder den aromatischen Käse einkauft, für dessen Gelingen sie eifrig mampfend immerhin zuständig sind. An dem Laden kommt nämlich jeder vorbei, der sein Auto ordnungsgemäß und gebührenpflichtig auf dem einzigen Parkplatz weit und breit abgestellt hat. Von hier geht es nur noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiter zum Leuchtturm. Wer sich dort für ein Seminar eingemietet hat, Verpflegung und anderes Gepäck dabei hat, kann am Parkplatz einen Bollerwagen mieten.
Ansonsten sollte man sich zumindest mit Getränken eindecken, denn am Leuchtturm gibt es nichts. Da ist in einem der beiden ehemaligen Wärterhäuschen nur die Station Wattenmeer mit mannigfaltigen Informationen über die Pflanzen- und Tierwelt. Im anderen Leuchtturmgebäude können Seminargruppen oder Schulklassen sich einmieten, um ein paar Tage mitten im Nationalpark Wattenmeer zu verbringen.
Der Weg durch die Salzwiesen zum Westerhever Leuchtturm ist nicht zu verfehlen. Und auch ohne die Schautafeln am Wegesrand kann selbst der unkundige Naturbeobachter den Unterschied in der Vegetation ganz deutlich erkennen. Denn der erste Teil der Salzwiese ist noch für die Schafe zugänglich gehalten, während der letzte Abschnitt vor dem Leuchtturm schon geschütztes Gebiet ist, wo sich eine Vielfalt an Pflanzen bereits ihr Territorium erobert hat. Hier findet man Strandwegerich, Strandflieder, Queller und wie sie alle heißen, die Gewächse, die den salzigen Untergrund bevorzugen.
Der Westerhever Leuchtturm wird oft als Wahrzeichen Schleswig Holsteins bezeichnet und hebt sich malerisch vom windzerzausten Nordseehimmel ab. Der Turm wurde im Jahre 1906 auf einer 4m hoch aufgeschütteten Warft errichtet. 127 dicke Eichenpfähle und ein Betonsockel bilden sein Fundament. Der Turm selbst besteht aus schweren gusseisernen Platten und erreichte nach seiner Fertigstellung eine Höhe von 41,5 m über dem mittleren Tidehochwasser. Er hat neun Stockwerke und wurde seinerzeit gebaut, um der Schifffahrt zwischen den besonders gefährlichen Sandbänken vor der Halbinsel Eiderstedt den Weg in den Heverstrom hinein zu weisen.
Ein Leuchtturmwärter wohnt hier schon längst nicht mehr. Heute steuert ein Computer das Licht. Dafür hat sich die Station Wattemeer einquartiert. Hier kann man sich umfassend informieren, die Eintrittskarten für eine Leuchtturmbesteigung erhält man dagegen nur am Infozentrum Ahndel. Hoch auf den Turm darf der Besucher aber nur montags und mittwochs. Oder zum Heiraten: Für Brautpaare gibt es die Möglichkeit, sich im dafür hergerichteten „Hochzeitszimmer“ auf dem Turm im Beisein eines Standesbeamten das „Ja-Wort“ zu geben.
Auf dem Rückweg vom Leuchtturm empfiehlt sich bei Ebbe noch eine kleine Wattwanderung nach Westerhever Sand. Ein Pfahlweg geleitet den Unkundigen durchs Watt bis zum Ziel, das nichts als Badestrand bietet, aber dafür kilometerlang. Auch hier gibt es weder Gastronomie noch Kiosk. Dafür aber eine Rettungsplattform. Ertrinken kann also niemand nur verdursten.
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